| AKLjunior-Jahrestagung 2012 zum Thema Kirchenraumgestaltung |
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Dem Thema "Kirchenraumgestaltung. Liturgische Orte in der Spannung zwischen Funktionalität und symbolischer Bedeutung" widmete sich die diesjährige Jahrestagung des AKLjunior, einer Vereinigung von NachwuchswissenschafterInnen des Fachbereichs Liturgiewissenschaft.
Eine zeitgemäße und ansprechende Gestaltung liturgischer Orte muss versuchen, das Liturgieverständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils im Kirchenraum abzubilden, damit dieser integrierender Bestandteil liturgischen Feierns sein kann. Die Rede von „liturgischen Funktionsorten“ macht deutlich, dass Altar, Ambo, Sitze usw. im Dienst der liturgischen Handlung stehen. Darüber hinaus haben sie Bedeutung als räumliche Verdichtung der in der Liturgie gefeierten Gottesbegegnung, auf die eine entsprechende Gestaltung auch außerhalb der Feier verweisen kann. Wie zeigt sich das Spannungsfeld von Funktion und symbolischer Bedeutung in Geschichte und Gegenwart? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Gestaltung der Räume, die Vermittlung und die Feierpraxis? Diesen Fragestellungen wurde bei der vom Institut für Liturgiewissenschaft und Sakramententheologie an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz/Donau organisierten AKLjunior-Jahrestagung mit Nachwuchswissenschaftlern aus dem gesamten deutschen Sprachraum nachgegangen. Die Teilnehmer setzten sich zunächst mit der kirchenbaugeschichtliche Entwicklung und den damit verbundenen theologischen Gestaltungskonzepten von der antiken Hauskirche zum Communio-Raum der Gegenwart auseinander. Ansprechend gestaltete liturgische Räume geben stets von sich aus zu denken und machen so „das Heilige“ auch außerhalb der Liturgie erfahrbar. Damit ist der Kirchenraum für den Besucher nicht nur Museum, sondern stets ein lebendiger Raum, der Beziehung zu Gott schafft. Für jeden Kirchenraum gilt: Liturgie kann nicht gegen den Raum gefeiert werden! Wenn eine gelungene Raumgestaltung die Wahrnehmung für die Eigenbedeutung des Raumes schärft, kann sie den Gemeinschaftscharakter (z.B. durch Prozessionen, Anordnung von Funktionsorten) fördern sowie eine stimmige Liturgie inspirieren und unterstreichen. Da Glaube und Raum in einem engen Zusammenhang stehen, braucht Liturgie auch einen angemessenen Raum, der sich nicht primär durch seine Funktionalität, sondern vor allem durch seine Würde und die Symbolik überirdischer Wirklichkeit auszeichnet. Im weiteren Verlauf wurden dann einzelne liturgische Funktionsorte als Orte der Gottesbegegnung bzw. Christusgegenwart diskutiert. So nahm Martin Laskewicz (Koblenz) die Orte für Taufe und Versöhnung als Orte neuen Lebens hinsichtlich ihrer Entstehung, geschichtlichen Entfaltung und Gestaltungsmöglichkeiten unter Berücksichtigung der Funktionsgerechtigkeit für die Praxis in den Blick. Josef Keplinger (Linz) befasste sich mit der symboltheologischer Bedeutung und dem liturgischen Gebrauch des Vorstehersitzes. Er ist der primäre Leitungsort der gottesdienstlichen Versammlung, welcher nur dem Repräsentanten Christi als dem Lehrenden und Leitenden der Gemeinde, also dem Ortsbischof bzw. dem Ortspfarrer als dessen Vertreter zukommt. Nina Frenzel (Bonn) stellte den Ambo als Tisch des Wortes, sprich ausschließlich als Ort der Verkündigung des Wortes Gottes (Schriftlesungen und Homilie) und nicht als multifunktionales Lesepult für verschiedenste Ankündigungen (z.B. Verlautbarungen, Eröffnung) heraus. Die Gestaltung des einen Altares als Tisch des Brotes in Geschichte und Gegenwart beleuchtete abschließend Lukas Bonner (Frastanz). Neben Teilnehmerbeiträgen und anregenden Diskussionen war das Spannungsfeld von Funktionalität und symboltheologischer Bedeutung im Hinblick auf die Gestaltung von liturgischen Funktionsorten und Kirchenräumen auch bei Exkursionen zu neu- bzw. umgestaltete Sakralbauten in Linz und Umgebung eindrucksvoll erfahrbar. Sowohl für die künstlerische Gestaltung als auch für die Vermittlung vor Ort gilt es, neben den oftmals kontroversen Ansprüchen und Vorgaben von Architektur, Denkmalpflege, Kunst, Pastoral, Theologie und Liturgierecht auch die Vorstellungen und Bedürfnisse der betroffenen Kirchengemeinden in einem gemeinsamen Planungsprozess aller Beteiligten fruchtbar aufzulösen sowie verantwortungsvoll auszuloten. Im Rahmen der Tagung stand auch die Neuwahl des AKLjunior-Sprecherteams für die Amtszeit 2012-2015 an: Dr. Florian Kluger (Würzburg) fungiert künftig als neuer Sprecher. Die Beisitzer sind Nina Frenzel (Bonn) und Benedikt Rodler (Linz). Die Jahrestagung 2013 wird vom 21.2.-24.2.2013 zum Themenfeld „Liturgie und Leben (am Lebensende) - Begräbnis & Co in einer pluralen Gesellschaft“ in Bochum stattfinden. Weitere Kurzberichte wurden von Kollegen aus Erfurt und Würzburg verfasst. Ausführliche Tagungsberichte erscheinen in den nächsten Ausgaben der Zeitschriften „Gottesdienst“, „Heiliger Dienst“ und „Liturgisches Jahrbuch“.
Exkursion: Lichtenberg, St. Franz von Sales
AKLjunior-Sprecherteam 2012-2015 (von links): Dr. Florian Kluger (Würzburg), Nina Frenzel (Bonn) und Benedikt Rodler (Linz) Text und Fotos: Benedikt Rodler Die AKLjunior ist eine Vereinigung von NachwuchswissenschafterInnen des Fachbereichs Liturgiewissenschaft im deutschen Sprachgebiet. Als Teil des Arbeitskreises Katholischer Liturgiewissenschafter (AKL) verfolgt die AKLjunior den liturgiewissenschaftlichen und berufspolitischen Austausch ihrer Mitglieder. Die Schaffung einer wissenschaftlichen Gesprächsplattform ist primäres Ziel. Dazu organisiert die AKLjunior jährlich eine Frühjahrstagung zu einem liturgiewissenschaftlichen Thema. 14.3.2012/he |