| Thomas-Akademie zu den Wurzeln des Ökumenischen Dialogs bei Thomas v. Aquin und Martin Luther |
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Den Festvortrag zum Thema "Thomas von Aquin und Martin Luther im ökumenischen Dialog. Stolperstein oder Brücke?" bei der Thomas-Akademie am 20. Jänner 2009 hielt Prof. Dr. Dr. h. c. Otto Hermann Pesch, Hamburg. Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz SDB, die Kath.-Theol. Privatuniversität Linz und das Priesterseminar der Diözese Linz laden zu dieser jährlichen Veranstaltung in der Bischofsaula des Linzer Priesterseminars ein. Rektor Univ.-Prof. Dr. Michael Rosenberger begrüßte die Gäste der Thomas-Akademie, unter ihnen Bischof Dr. Ludwig Schwarz, Bischof em. Maximilian Aichern, Superintendent Dr. Gerold Lehner sowie DI George Wozasek, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Linz. Thomas von Aquin im ökumenischen Dialog Stolperstein oder Brücke? „Warum Thomas von Aquin und Martin Luther in Hinblick auf Fortschritt oder Stagnation im ökumenischen Dialog?“, fragte der Kenner der reformatorischen Theologie und der Theologie von Thomas von Aquin Prof. Otto Hermann Pesch. 250 Jahre trennen den großen Theologen aus dem 13. Jahrhundert, der vom ökumenischen Dialog unserer Tage keine Ahnung haben konnte, von Luther. Dieser seinerseits kannte Thomas nur aus zweiter Hand und hat nachweislich nur selten einmal direkt in die Thomas-Texte hineingeschaut. Aber beide sind durch die geschichtlichen Entwicklungen posthum zu Antipoden geworden. Wer die reformatorische Theologie gegen die katholische ins Feld führen will, zitiert Luther. Wer die katholische Gegenposition stark macht, zitiert Thomas. „Da ist die Gefahr von Projektionen aus der Gegenwart auf die Altvorderen bald bei der Hand“, sagt Pesch. Befragt man beide in jeweils ihrem eigenen persönlichen und kirchlichen Zusammenhang, so zeigen sich zwei unterschiedliche, nicht zu „harmonisierende“ Typen von Theologie, die beide in der Christenheit ihren Platz und ihr Recht haben. Pesch zeigte bei der Thomas-Akademie an ausgewählten Beispielen wie Thomas und Luther als heilsame Erinnerung zur Brücke und Hilfe im ökumenischen Dialog werden können. „Einen der größten Schwätzer“ bezeichnet Martin Luther Thomas von Aquin. Viele Klischeevorstellungen auf katholischer wie evangelischer Seite gründen laut Pesch auf einer oberflächlichen Beschäftigung mit den beiden theologischen Denkern. Diese Klischees hätten jahrzehntelang das ökumenische Gespräch verhindert. Erst eine fundierte historische Forschung hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten die nötige Sachlichkeit für den Dialog geschaffen. Der systematische Vergleich muss also – so Pesch – verbunden sein mit dieser historischen Forschung. Die Theologie von Thomas von Aquin wurde erst nach dem Konzil von Trient (1545-1563) durch die sogenannten Thomisten als Antwort auf alle nur erdenklichen Fragen gebraucht. „Wenn wir die Entwicklung der Ereignisse der Reformation historisch verstehen wollen, müssen wir uns ein Urteil über den Streit Luthers mit den Thomisten bilden“, so Pesch. Diese hätten die Fragen ihrer Zeit mit den Antworten des vor 250 Jahren lebenden Thomas von Aquin versehen. Das geschah vor allem in den Fragen der Gnade und Rechtfertigung, zweier Schlüsselthemen des Streites der Konfessionen. Prof. Pesch verwies in seinem Referat auch auf die unterschiedliche Spiritualität von Thomas und Luther. „Man kann ein und dasselbe Problem mit verschiedenen Augen ansehen. Thomas tut es von den Augen Gottes her aufgrund der Offenbarung. Luther schaut mit den Augen des sündigen Menschen darauf.“ Anhand der Lehre der Prädestination (Vorherbestimmung), der Rechtfertigung und an der Vorstellung beider Theologen vom Menschen als Ebenbild Gottes und von der Kirche erläuterte Pesch, wie beide im Grunde Ähnliches sagen und doch bei schnellem Hinsehen als Hindernis für einen Dialog bezeichnet werden. Beim Kirchenverständnis der beiden wies Pesch aufgrund der Studien der Primärquellen und der historischen Forschung nach, dass beide Kirche als „Frucht und Mittel der Gnade Gottes“ beschrieben. Und doch ist das Kirchenverständis einer der größten Streitpunkte unter den Konfessionen. Pesch betonte mehrmals die Beachtung der unterschiedlichen Zeitkontexte. Genaues Lesen lasse die Eigenart von Thomas und Luther besser erfassen. Thomas gebe diesbezüglich eine Warnung: „Gott ist bewundernswürdig um seiner selbst willen. Selbstvergessenheit ist eine Tugend der Theologie.“ Pesch wiederholte zum Schluss noch einmal: „Der Unterschied der beiden Theologen ist nicht zuletzt auch ein Unterschied in deren Spiritualität. Beide Kirchen müssen heute für beides Platz haben, dadurch werden sie ein gutes Stück weiter kommen in ihrem ökumenischen Gespräch.“
Fotonachweis: Diözese Linz: v. l.: DI George Wozasek, Präsident der
Israelitischen Kultusgemeinde Linz, Rektor Univ.-Prof. Dr. Michael
Rosenberger, Superintendent Dr. Gerold Lehner, Prof. Dr. Dr. h. c. Otto
Hermann Pesch, Regens Mag. Maximilian Mittendorfer, Bischof Dr.Ludwig
Schwarz, Generalvikar Prof. DDr. Severin Lederhilger. Prof. Dr. Dr. h. c. Otto Hermann Pesch: Otto Hermann Pesch wurde 1931 in Köln geboren. Er studierte Philosophie und Katholische Theologie in Walberberg und München. 1965 promovierte er zum Dr. theol. mit einer Dissertation zum Thema: Theologie der Rechtfertigung bei Martin Luther und Thomas von Aquin: Versuch eines systematisch-theologischen Dialogs (Mainz 1967). Pesch war Professor für Dogmatik in Walberberg (1965-71), als römisch-katholischer Theologe Professor für systematische Theologie an der evangelisch-theologischen Fakultät Hamburg (1975 bis 1998) sowie Gastprofessor in Harvard. Er ist Mitglied u. a. des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen, der Academie internationale des sciences religieuses in Brüssel und der Joachim-Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften in Hamburg. Otto Hermann Pesch engagiert sich insbesondere für die Ökumene. Er gilt als einer der wenigen und herausragenden katholischen Lutherforscher. Für seine grundlegenden Arbeiten zur Theologie Luthers, wurde Pesch Anfang 2008 mit der theologischen Ehrendoktorwürde der evangelischen Fakultät der Universität Jena ausgezeichnet. Weitere Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte :
Veröffentlichungen u.a.:
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