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Umgang mit einem schwierigen Erbe. Vortragsreihe April/Mai 2008 | Drucken |
"Umgang mit einem schwierigen Erbe" lautete der Titel einer Vortragsreihe des Instituts für Kunstwissenschaft und Philosophie zur nationalsozialistischen Architektur in Linz, welche an drei Abenden im April und Mai 2008 stattfand.

Einer Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus kann sich in den europäischen Staaten kaum jemand entziehen. In unserem Alltag sind seine architektonischen Hinterlas­senschaften noch immer präsent - zum Teil unübersehbar. Dies fordert Politik und Gesell­schaft, aber auch jeden Einzelnen heraus. Gerade in Linz sollte diese Herausforderung an­genommen werden.

Unsere Stadt wird sich 2009 als europäische Kulturhauptstadt einem internationalen Publi­kum präsentieren. Dieses aktuelle Interesse wird die Erinnerung an eine Vergangenheit wachrufen, in der der Stadt ebenfalls besondere kulturelle Bedeutung zukam. Im Nationalso­zialismus wurde Linz neben den deutschen Städten Berlin, Hamburg, München und Nürn­berg als einziger österreichischer Stadt der Status einer „Führerstadt" verliehen. Es gab Pläne eines grundlegenden Um- und Ausbaus zur „Weltkulturstadt" mit bis zu 400 000 Ein­wohnern. Diese wurden zwar nur in Ansätzen verwirklicht, doch erfuhr Linz in nationalsozia­listischer Zeit eine nachhaltige wirtschaftliche und architektonische Umstrukturierung: Die Stadt wurde zur Industriestadt ausgebaut, zahlreiche Wohn- und Industrieanlagen sowie einige monumentale Repräsentationsbauten errichtet. Spektakuläre Umbauprojekte können noch anhand von erhaltenen Modellen und Skizzen studiert werden.

Mit dem Bau eines „Führermuseums" sollte auch ein internationales kunst- und kulturinteres­siertes Publikum nach Linz geholt werden - freilich unter ganz anderen Voraussetzungen und mit ganz anderen Absichten als dies heute der Fall ist.

In Linz wurden in den letzten Jahren entscheidende Beiträge zur Aufarbeitung der national­sozialistischen Vergangenheit geleistet, doch bestehen gerade in Bezug auf die im Stadtbild sichtbaren architektonischen Hinterlassenschaften immer noch Defizite. Die Besucher und Besucherinnen von Linz09 werden Zeugnisse dieser Vergangenheit in unserer Stadt wahr­nehmen und Fragen stellen. Die Linzer Bürger und Bürgerinnen sollten kompetent mit ihnen diskutieren können. Dazu möchte die Katholisch-Theologische Privatuniversität Linz mit ihrer Vortragsreihe zur nationalsozialistischen Architektur in Linz „Umgang mit einem schwierigen Erbe" einen Beitrag leisten.

Die Vorträge fanden jeweils Dienstagabend zwischen 18 und 20 Uhr statt.

Programm: 

8. April 2008
Jan Tabor (Wien)
  Architektur des authentischen Faschismus

 

    

Herr Tabor wird in seinem komparativ konzipierten Vortrag den Gründen nachgehen, wes­halb die faschistische Architektur noch immer fasziniert, die nationalsozialistische hingegen durch zahlreiche Missverständnisse weiterhin falsch interpretiert wird.

 6. Mai 2008 Wilfried Lipp, Hofrat Univ.-Prof. Dr. phil (Linz)
 

Architektonische Hinterlassenschaften des Nationalsozialismus in Ober­österreich. Ein ungeliebtes Erbe

 

       

 

Herr Lipp befragt in einem ersten Teil seines Beitrags die in unserem Alltag noch immer deutlich sichtbaren architektonischen Hinterlassenschaften des Nationalsozialismus. Sie interessieren ihn vor der Folie des Verblassens des Bewusstseins ihrer besonderen Rele­vanz in der zeitgenössischen Gegenwart. Anschließend ist eine Diskussion über die denk­malpflegerische Problematik in Oberösterreich vorgesehen.

20. Mai 2008 
Friederike Hillebrand, MA (Wien)
  Das Stift St. Florian 1942 - 1945.
Die "postbarocke" Inszenierung eines Intendanten

 

 

 

Am 1. September 1942 pachtete der Reichsrundfunk das Stift St. Florian für den symboli­schen Betrag von 1 Reichsmark pro Jahr auf 99 Jahre. Neuer "Herr im Hause" wurde der Generalintendant Dr. Heinrich Glasmeier. Infolge lukrierte Glasmeier beträchtliche Summen aus der Baureserve des Reichsrundfunks, um das oberösterreichische Stift zur "Bruckner­weihstätte" auszubauen. Mit der Umgestaltung der Anlage wurde der "beim Umbau- und der Restaurierung westfälischer Schlösser erprobte" Architekt Franz Schneider beauftragt. Mit Argwohn und Misstrauen beobachtete der zuständige Gaukonservator die Vorgänge im Stift St. Florian. Etwa 270 Pläne und Entwürfe sind aus der Ära des Reichsrundfunks in St. Florian erhalten - jedoch wurden sie nur in geringem Ausmaß realisiert.

 

 

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