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Am 26. Jänner 2010 luden Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz, die Katholisch-Theologische Privatuniversität Linz (KTU) und das Bischöfliche Priesterseminar zur traditionellen Thomasakademie ein. Dr. Joachim Wanke, Bischof der ostdeutschen Diözese Erfurt hielt den Festvortrag zum Thema: „Das Evangelium auf den Leuchter stellen. Überlegungen aus ostdeutscher Perspektive".
Der Rektor der KTU, Univ.-Prof. Dr. Michael Rosenberger, konnte zahlreiche Ehrengäste aus dem kirchlichen und politischen Leben in der Bischofsaula des Priesterseminars begrüßen. Zu den Ehrengästen zählten neben den Einladenden Bischof em. Dr. Maximilian Aichern, Generalvikar DDr. Severin Lederhilger, Vizerektor der Pädagogischen Hochschule Mag. Franz Keplinger und Landtagsabgeordneter Wolfgang Klinger.
Wanke plädierte in seinem Vortrag für eine Wiedergewinnung der missionarischen Dimension als eine Grundbestimmung von Kirche und Christsein. „Ohne das Evangelium Jesu Christi fehlt in unserer Gesellschaft Entscheidendes." Das Evangelium verhilft zu einer Welt- und Lebenssicht, die alles Leben in ein neues, österliches Licht taucht, das alle gesellschaftliche Wirklichkeit durchdringt und „perspektivverändernde Kraft" hat. Aufgabe der Kirche ist es, Resonanzraum dafür zu sein.
Wanke gebrauchte das Bild der Landkarte, die den ChristInnen im Evangelium gegeben ist. „Wir Christen sind nicht besser als unsere Mitmenschen, aber wir haben es besser, aufgrund der Landkarte des Evangeliums, die die entscheidende Lebensorientierung vom Wort Gottes her bietet." Das Geschenk des Evangeliums und der eigene Glaube ist aber kein Grund zur Überheblichkeit, Besserwisserei oder Exklusivität. Grundüberzeugung der Kirche ist es, dass Gottes Heilswille allen Menschen gilt. Dieser Grundüberzeugung korrespondiert auch, so Wanke, „eine prinzipielle Offenheit aller Menschen für Gottes Anruf".
Die Übersetzungstätigkeit für die Verkündigung des Evangeliums ist daher prinzipiell noch nicht abgeschlossen. Um die religiöse Sprachlosigkeit vieler Mitmenschen zu überwinden, muss die Kirche die Sprache der Menschen von heute immer wieder neu lernen und nach neuen Anknüpfungsmöglichkeiten für das Evangelium suchen. Voraussetzung dafür ist, dass einerseits ChristInnen im Gottesgeheimnis selber verwurzelt sind und andererseits das Anbieten des Glaubens nicht von oben her kommt, sondern von einer Haltung der Grundsympathie zu den Menschen getragen ist. Das Anbieten und Vorschlagen des Evangeliums als grundsätzliche Lebensperspektive soll Menschen ermöglichen, die Größe ihrer Berufung durch Gott zu entdecken. Nicht die Kirche, sondern das Evangelium muss auf den Leuchter gestellt werden.
Wanke sieht die Kirche zukünftig in dreifacher Hinsicht gefordert: Erstens: Die Gottesverkündigung bedarf einer „intellektuellen Verheutigung". Besonders die Theologie ist angefragt, angesichts gegenwärtiger Infragestellungen des Glaubens, verantwortet Gott denken zu können, damit die Kirche sich nicht ins Sektenhafte verabschiedet. Zweitens: Wichtige Orte kirchlich-missionarischer Präsenz werden auch künftig Diakonie-Orte sein. „Ohne das Sakrament des Bruders und der Schwester, das vor den Kirchentüren gespendet wird, kann Kirche nicht auskommen." Und drittens plädiert Wanke für eine Vertiefung der theologischen, liturgischen und spirituellen Kompetenz beim Klerus und beim Gottesvolk. „Der Katholik von morgen muss ein informierter Katholik sein - und er wird sich aus dem Grundwasser einer Frömmigkeit speisen müssen, die den heutigen Herausforderungen, ja Infragestellungen des christlichen Glaubens standhalten kann. Ich plädiere dafür, dass das Stichwort gebildete Frömmigkeit wieder einen guten Klang in unserer Kirche hat."
Foto: v.l.: Regens Dr. Johann Hintermaier, Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz, Bischof Dr. Joachim Wanke, Rektor Univ.-Prof. Dr. Michael Rosenberger
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