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Zum Tag des Judentums referierte der Alttestamentprofessor Dr. Franz Hubmann am 14.1.2010 über „Das Land der Verheißung. Die theologische Bedeutung des Landes Israel in jüdischer und christlicher Sicht" in der KTU Linz.
Das Land, „das Gott Abraham und seinen Nachkommen verheißen hat" (Buch Genesis) ist ein zentraler Bestandteil einer biblischen Theologie wie auch der jüdischen Religion, aber auch der gegenwärtigen Diskussion in Israel und Palästina.
„Ausgangspunkt für alle Überlegungen ist die Bibel", damit beginnt Prof. Hubmann seine theologischen Ausführungen. Hier sind es die Aussagen der Tora, aber da die Tora mit dem Tod Mose an den Grenzen des Landes den Abschluss findet und die Gabe des Landes noch bevor steht, erzählen die Geschichtsbücher von der Landnahme, aber auch vom Landverlust. Das Wissen um die Ausdehnung des Landes ist von Bedeutung, weil in der Tora Gebote angeführt sind, die nur innerhalb der Grenzen des verheißenen Landes gelten.
Ins Land zurückbringen
Bereits in der Tora stellt Gott in Aussicht, dass er sein Volk selbst im Exil nicht ‚missachten und nicht verabscheuen wird' (Lev 26,39ff.), sondern er wird im Falle der Bekehrung sie wieder einsammeln aus allen Ländern der Zerstreuung und sie in ihr Land zurückbringen. Die Heimat des Juden Jesus, erscheint für die Christen durch sein Leben und Wirken in besonderer Weise geheiligt und ist schon für das Frühchristentum „wie ein fünftes Evangelium". Darüber hinaus diente das Land, als Bezugspunkt des Glaubens.
Die Errichtung des Staates Israel vor mehr als 60 Jahren hat nicht nur für das Judentum insgesamt eine ungeheure Bedeutung, sondern auch die christliche Seite ist von diesem Ereignis herausgefordert. Die frühjüdisch-rabbinischen gelehrten bezeichnen Israel im Anschluss an Ez 38,12 als den Nabel der Erde. Von dieser Mitte her folgt, dass ein Leben im Land, insbesondere in Jerusalem, zu den höchsten Dingen gehört und an Wert nicht übertroffen werden kann.
Für das Ur-Christentum spielt das Land eigentlich keine Rolle. Die Heilsgeschichte spitzt sich vielmehr in Jesus von Nazareth dem „Christus" zu. Unter diesem Blickwinkel verliert die Verheißung des Landes seine Bedeutung, weil die Person Jesu ins Zentrum rückt.
Archäologische Forschung als Faktor der Identifikation
Anfang des 20.Jhdts kamen vermehrt Juden zurück ins Land der Väter, um es urbar zu machen und es zu besiedeln. Dabei ist interessant, dass diese Zionisten nur zu einem geringen Teil ein Interesse an Archäologie hatten, andere erachteten Funde sogar als Störfall für ihre Pionierarbeit. „Auch von religiös orthodoxer Seite besteht kein Interesse an Archäologie", so Hubmann: „weil sie problematische Zeugnisse zutage fördert und dabei womöglich noch die Ruhe der Toten stört." Die säkulare Richtung der Pioniere erkannte jedoch, dass mit Hilfe der Archäologie eine unglaublich starke Bindung an das Land zu erreichen ist, „gleichsam als Verinnerlichung der Landnahme", sodass sie gerade von den Gründungsvätern des Staates Israel für diese Zwecke eingesetzt wurde.
Die moderne israelische Archäologie hat sich weitgehend von diesen Interessen abgekoppelt, weil sie nicht mehr bestimmten apologetischen Interessen dienen will, sondern allgemein der Erforschung menschlicher Geschichte, Kulturen und Religionen in diesem Großraum.
Katholische Reaktionen auf die Gründung des Staates Israel
Am 1. Zionistenkongress in Basel 1897 wurde von katholischer Seite vermerkt: ‚ein erneuertes Jerusalem als Zentrum eines jüdischen Staates widerspricht der Prophezeiung Jesu...'
Politisch bestand der Vatikan in weiterer Folge darauf, dass Jerusalem und Bethlehem als „corpus separatum" einen internationalen Status bekommen sollen. Als das II. Vat. Konzil mit der Erklärung Nostra aetate Nr. 4 die kirchliche Haltung gegenüber dem Judentum neu definierte und die Treue Gottes zur Erwählung Israels an die Stelle der „Lehre von der Verwerfung" setzte, war der Anstoß gegeben, in weiterer Folge auch über die Bedeutung des Landes für das Judentum nachzudenken. Die katholische Kirche ist bis heute äußerst zurückhaltend, womit vielleicht auch zusammenhängt, dass erst 1993 nach langen Verhandlungen ein Grundlagenvertrag über die volle Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zwischen dem Vatikan und dem Staat Israel unterzeichnet wurde. Obwohl sich Papst Johannes Paul II sehr für den christlich-jüdischen Dialog eingesetzt und die religiöse Bindung der Juden an das Land und das Recht auf ein Heimatland betont hat, spricht er nie dem Zionismus und der Errichtung des Staates eine religiöse Bedeutung zu.
Dokumente jüdisch-christlicher Dialogs
Das jüdische Dokument „Dabru Emet", welches von jüdischen Gelehrten erarbeitet wurde, primär um die Wandlung des christlichen Denkens ihren eigenen Kreisen in Form von 10 Thesen bekannt zu machen, formuliert in These 3: „Christen können den Anspruch des jüdischen Volkes auf das Land Israel respektieren." Im Hintergrund dieser Aussage steht die Anerkennung, dass die Mehrzahl der christlichen Kirchen ihre Haltung zum Judentum grundsätzlich geändert hat.
Das Dokument „Zeit zur Neu-Verpflichtung" des International Council of Christians and Jews, welches in Erinnerung an die denkwürdige Konferenz in Seelisberg (1947) die damaligen 10 Thesen fortführen und mit den neuen 12 Thesen von Berlin auf heutigen Stand bringen will, formuliert in These 4, für den Frieden Jerusalems zu beten. These 9 betont, die„Interreligiöse und interkulturelle Erziehung zu fördern."
Prof. Hubmann:„Es ist wohl zuzustimmen, dass das der einzige Weg ist, Vorurteile abzubauen, Hass zu überwinden und Fundamentalismus zu verhindern.
Veranstalter: Christlich-jüdisches Komitee OÖ, Referat für Ökumene und Weltreligionen, KTU Linz, Forum St. Severin, Evangelisches Bildungswerk OÖ
18.01.2010/gec/he
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